Für den Er­halt lin­ker Struk­tu­ren in Mitte und an­ders­wo!!!

Of­fe­ner Brief ei­ni­ger Ber­li­ner Pro­jek­te und Grup­pen zum Kon­flikt um den Li­ni­en­hof

Sehr ge­ehr­ter Herr Gref­frath, sehr ge­ehr­te Frau Völ­ckers, sehr ge­ehr­te Frau Lam­pen,

wir wen­den uns heute an Sie, weil wir über den Ver­lauf der Dinge in dem Kon­flikt um den Li­ni­en­hof doch stark be­un­ru­higt sind!

Der Li­ni­en­hof ist ein wich­ti­ger Be­stand­teil Ber­li­ner lin­ker, un­kom­mer­zi­el­ler Struk­tu­ren. Ge­ra­de für die Wa­gen­plät­ze, die Sie ja schein­bar für un­ter­stüt­zungs­wür­dig hal­ten, ist der Li­ni­en­hof eine An­lauf­stel­le – denn hier kann ge­schweißt, ge­flext und aus­ge­baut wer­den. Und das um­sonst.

Wir kön­nen ver­ste­hen, Herr Gref­frath, dass man es nach 20 Jah­ren Ora­ni­en­stra­ßen-​Hin­ter­haus schön haben will im Alter und ge­si­chert. Wir kön­nen ver­ste­hen, dass man sich mit an­de­ren zu­sam­men ein Ei­gen­heim bauen will und es ist löb­lich dies nicht nur mit der ei­ge­nen Klein­fa­mi­lie zu­sam­men ma­chen zu wol­len. Darum geht es nicht. Es geht um die Wahl des Ortes, um die Teil­ha­be an Gen­tri­fi­zie­rung, Ver­trei­bung und Zer­stö­rung.

Wir kön­nen nicht ver­ste­hen, Herr Gref­frath, dass Ihnen Ihre ei­ge­nen Wi­der­sprü­che nicht auf­fal­len, wenn Sie be­haup­ten, das Ge­län­de wäre frei ge­we­sen, da hät­ten nur ab und an wel­che ge­schraubt, dass seien aber nie die glei­chen Leute ge­we­sen. In jeder Selbst­hil­fe­werk­statt wer­den Sie sel­ten heute die­sel­ben Leute tref­fen, die Sie noch ges­tern an­ge­trof­fen haben. Das ist das Ge­heim­nis eines Ortes wie des Li­ni­en­ho­fes, dass er von ver­schie­dens­ten Men­schen ge­nutzt wer­den kann, und nicht Ort der immer glei­chen drei Schrau­ber_in­nen, Künst­ler_in­nen, Bast­ler_in­nen etc. ist!!!

Sehen Sie we­nigs­tens den Tat­sa­chen ins Auge, dass Sie eine „Bau­her­ren­grup­pe“ sind, die ein Ge­län­de er­wor­ben hat, auf dem seit fast 20 Jah­ren ein un­kom­mer­zi­el­les Pro­jekt be­steht, das Sie nun ver­trei­ben und zer­stö­ren wol­len. Damit ste­hen Sie völ­lig in der Tra­di­ti­on an­de­rer In­ves­to­ren und Ei­gen­tü­mer, die be­reits für das Ende vie­ler an­de­rer Ber­li­ner Pro­jek­te ge­sorgt haben.

Sie, liebe „Bau­her­ren­grup­pe“, gehen ja sogar noch wei­ter, indem Sie nicht, wie sonst gerne, sagen: „Die, die hier leben oder ar­bei­ten, haben kein Recht hier zu sein, denn das hier ist meins“, son­dern Sie sagen: „ Die, die da sind, gibt es gar nicht, sonst hät­ten wir es uns nicht ge­nom­men.“

Auch wenn Sie sich die Augen noch so sehr rei­ben: Das ist per­fi­de! Das ist Ver­trei­bung eines der letz­ten lin­ken Pro­jek­te in Mitte!

Seit län­ge­rer Zeit be­ob­ach­ten wir die Ent­wick­lung, dass von Kar­Loh bis Car-​Loft der Ei­gen­tums­woh­nungs­bau reich ge­wor­de­ner Lin­ker oder der Lu­xus-​Loft-​Bau in Ge­gen­den, die mal die­je­ni­gen derer waren, die über wenig Geld und an­de­re Res­sour­cen ver­fü­gen, zu­nimmt. Wie Sie viel­leicht auch theo­re­tisch wis­sen, geht dies ein­her mit einer so ge­nann­ten „Auf­wer­tung“ der Ge­gend, was de­fac­to be­deu­tet: Eine Ver­teue­rung der Mie­ten, eine An­sied­lung teu­rer Re­stau­rants und Knei­pen, eine Ver­än­de­rung des Stadt­bil­des, in das be­stimm­te Leute nicht mehr pas­sen, eine Ver­drän­gung derer, die un­ter­halb des Mit­tel­stands ran­gie­ren.

Na­tür­lich wis­sen wir, dass es rund um den Ro­sentha­ler Platz nicht mehr viel zu ver­teu­ern und zu ver­trei­ben gibt; fast nichts mehr, außer den letz­ten klei­nen Ni­schen, zu denen auch der Li­ni­en­hof ge­hört.

Sie als „Linke“ hät­ten also auch sagen kön­nen: Ab­ge­fah­ren! Hier, wo man nur noch etwas für viel Geld be­kommt, gibt es die­sen klei­nen Werk­statt­hof für Men­schen, die sich am Ro­sentha­ler Platz kaum noch eine Cola leis­ten kön­nen!

Des­we­gen er­klä­ren wir, die Un­ter­stüt­zer_in­nen aus an­de­ren Ber­li­ner Pro­jek­ten, un­se­re So­li­da­ri­tät mit dem Li­ni­en­hof, der ein Teil un­se­rer Struk­tu­ren ist!

Wir for­dern von Ihnen, damit auf­zu­hö­ren, so zu tun, als seien Sie die „Guten“, die nie­mals dort bauen wür­den, wo schon etwas ist, oder die sich ernst­haft um Er­satz­lö­sun­gen be­mü­hen!

Wir for­dern von Ihnen, mit den tak­ti­schen Lügen auf­zu­hö­ren!

PFUI!

Gerne wür­den wir z.B. wis­sen, Frau Völ­ckers, mit wel­chen na­men­lo­sen Leu­ten Sie je­mals beim Senat waren??

Gerne wür­den wir wis­sen, Frau Völ­ckers, warum Ihnen auf der Suche nach Le­gi­ti­ma­ti­on für Ihr Han­deln die Phan­ta­sie in die un­ters­te Schub­la­de rutscht und Sie be­haup­ten, Sie seien damit be­droht wor­den, dass Ihre Kin­der in Ge­fahr seien!

Gerne wür­den wir wis­sen, warum ein Ver­ein und/oder ein An­walt, des­sen E-​Mail, Post­adres­se und Te­le­fon­num­mer Sie haben, für Sie „kein“ An­sprech­part­ner ist!

Wir for­dern Sie auf, von dem Bau­vor­ha­ben auf dem Ge­län­de des Li­ni­en­hofs ab­zu­se­hen!!

oder dafür zu sor­gen, daß es ein ent­spre­chen­des Er­satz­ge­län­de gibt!

oder die Erd­ge­schoß­räu­me und Hoff­lä­che Ihres neuen Hau­ses dem Pro­jekt wei­ter­hin zur Ver­fü­gung zu stel­len!

Für den Er­halt lin­ker Struk­tu­ren in Mitte und an­ders­wo!!!

AK Kraak, Bo­edi9, Be­woh­ner_in­nen der Brun­nen­str.6/7, Buch­la­den oh*21, Café Mor­gen­rot Kol­lek­tiv, CIRCA Clown­s­Ar­mee­Ber­lin, Freie Kul­tur ak­ti­on e.V., Ju­gend­zen­trum Bunte Kuh, Kas­ta­nie85, Kas­ta­nie86, Køpi137, Li­ber­ta­ri­an Press Agen­cy, Lie­bi­g14, Lie­bi­g34, Li­nie206, LSV-​Ber­lin, Meu­te­rei-​Kol­lek­tiv, North East An­ti­fa­scists (NEA), Pro­jek­te aus dem Ne­wYorck im Be­tha­ni­en, Pro­jekt­raum H48, Ri­ga­e­r94, Schwar­ze Risse Buch­la­den-​Kol­lek­tiv, Schwarz­rot­buch Ver­lag Ber­lin, Tante Horst Kol­lek­tiv, Sub­ver­siv e.V., Su­pa­mol­ly, Stadt­teil­in­itia­ti­ve Karla Pap­pel, Ta­gungs­haus Werns­dorf e.V., Villa Felix, Wa­gen­platz Con­voi, Wa­gen­platz Las­ter und Hän­ger, Wa­gen­platz Kin­der­bau­ern­hof, Wa­gen­platz Loh­müh­le, Wa­gen­platz Ra­ti­bor­str., Wa­gen­platz Schef­fel­str., Wa­gen­platz Schwar­zer Kanal,