Geschichte

Zur Geschichte des Hauses

Die Brunnenstraße 6/7 wurde wie viele leerstehende Häuser in Ostberlin im Sommer 1990 besetzt. Im Frühjahr 1991 folgte die Besetzung des Frauen/Lesben-Flügels. Bereits im Juni 1990 hatte sich auf Beschluss des Ostberliner Besetzer_innen-Rates, der sich aus einigen besetzten Häusern gebildet hatte, das Vertragsgremium (VG) gebildet. Mit dem Magistrat von Ostberlin sollte über Verträge verhandelt werden – ein erstes Treffen im Juni 1990 verlief jedoch ergebnislos.

Verhandeln oder nicht? Und wenn ja, wie? Über diese Fragen wurde viel diskutiert in diesen Tagen – auch in der Brunnenstraße 6/7. Hier tagte am 22. August 1990 der Besetzer_innenrat, über 100 Leute stimmten schließlich für Verhandlungen. Andere wollten lieber individuell verhandeln oder lehnten jegliche Verträge ab. In Mitte wurden den Häusern zunächst befristete Verträge angeboten, was abgelehnt wurde. Am 8. Oktober 1990 brach der Magistrat die Verhandlungen, stattdessen wurden am 14. November die 13 Häuser in der Mainzer Straße von 3000 Polizisten nach dreitätigen Auseinandersetzungen und militanter Gegenwehr geräumt.

Nach der Räumung begannen ab Frühjahr 1991 auf Bezirksebene die „Runden Tische“, die zu Verträgen mit den besetzten Häusern führen. Die Verwaltung übernahm zuerst die Wohnungsbaugenossenschaft Mitte (WBM), später die GSW. Nach der Rückübertragung an die Jewish Claims Conference wurde das Haus 1997 für 4,5 Millionen DM an die Grundstücksverwaltung Gawehn verkauft. Der neue Eigentümer wollte durch schnelle Räumungen Fakten schaffen, musste aber feststellen, dass die Bewohner_innen Mietverträge hatten. Es folgten erneut Verhandlungen am Runden Tisch – gemeinsam mit dem Senat wurden die Sanierung und mittelprächtige Staffelmietverträge ausgehandelt. Das Backsteingebäude im hinteren Teil des Komplexes, in dem zwischenzeitlich befristete Verträge für zwei Frauen/Lesben-Etagen existierten, ein KINO, die Vereinsräume zur Förderung feministischer Lebensweisen und das Obdachlosenprojekt UnterDruck, ging jedoch verloren. Gawehn ließ das Erdgeschoss zumauern, und nach kurzfristiger Wiederbesetzung polizeilich räumen.

Auch andere Räume, deren Idee es war, unkommerzielle, selbstorganisierte gemeinsame Räume im Kiez zu schaffen, konnten nicht durchgesetzt werden. So scheiterte eine Initiative für ein Kino („Kino-Kultur statt Kauf-Kommerz“) für die leeren und unterkellerten Räumlichkeiten der Brunnenstraße 6, in dem bis in die 50er Jahre ein Kino existierte, an den Mietvorstellungen des Eigentümers. Schon zu DDR-Zeiten hatte sich eine Bürgerinitiative für ein Kino an diesem Ort eingesetzt, stattdessen erhielt ein Supermarkt (REWE, später EDEKA) den Zuschlag. Die Räumlichkeiten „Anstoss“, in dem für einige Jahre die Antifaschistische Fußball Fan Initiative (AFFI), die 1994 das Länderspiel zwischen England und Deutschland an Hitlers Geburtstag gemeinsam mit anderen Gruppen verhindert hatte, Raum gefunden hatte, konnten ebenso wenig gehalten werden wie der „Infoshop Subversiv“. Dennoch haben wir es bis heute geschafft, zumindest einen Raum für unkommerzielle Zwecke zu erhalten – indem er von den rund 90 BewohnerInnen solidarisch finanziert wird. Eröffnet mit einem rauschenden Fest am 9. September 1990 ist das Subversiv (Vereinsraum), bis heute Teil des Komplexes. Außerdem befindet sich in der Brunnenstraße der A-Laden (anarchistischer Laden).