Wir haben keinen Bock auf Mieterhöhungen

Redebeitrag Brunnenstraße 6/7 zur Walpurgisnachtdemo am 30.4.2014

Brunnen TranspiEs war mal eine Zeit, da gab es in Ostberlin über 100 besetzte Häuser. Gut, dass ist schon ein viertel Jahrhundert her. Die meisten von uns haben zu der Zeit auch noch nicht in Mitte, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain gewohnt. Trotzdem ist die Geschichte für uns wichtig. Einige der Häuser haben sich gehalten und öffnen Räume für günstiges Wohnen, unkommerzielle Kultur und politische Debatten. Dazu gehört auch die Brunnenstraße 6/7 in Mitte, mit knapp 100 Bewohner_innen eines der größten Hausprojekte in Europa und Teil der aktiven Häuserszene in Berlin.

Wir konnten ziemlich viele Jahre von den gut ausgehandelten Verträgen der Erstbesetzer_innen profitieren. Aber jetzt trifft uns auch die Entwicklung, die seit einigen Jahren viele Mieter_innen und Projekte auf die Straßen bringt: die Mieterhöhung. Der Hausbesitzer Gawehn will nach all den Jahren endlich mehr rausholen aus seinem in Mitte doch so renditeträchtig gelegenen Mietwohnungen. Zwar hat er mal viel Geld für Sozialen Wohnungsbau von der Stadt bekommen, aber wen kümmert schon sein Geschwätz von gestern? Er blickt neidisch auf all diejenigen, die gerade in Mitte richtig fett Kohle machen. Zur Erinnerung: Die jetzt überall entstandenen Eigentumswohnungen sind überwiegend Häuser, aus denen Mieter_innen verdrängt wurden.

Nun also wir. Auch wenn die jetzige Mieterhöhung uns noch nicht alle – wie so vielen andere – zum Auszug zwingt, sind wir entschlossen, von Beginn an Widerstand zu leisten. Wir haben keinen Bock auf Mieterhöhungen! Im Gegenteil: Unsere Forderung lautet: runter mit der Miete! Nicht nur in Mitte, sondern überall! Denn wir wollen keine Stadt, in der nur die Reichen sich aussuchen können, wo sie wohnen wollen. Wir wollen keine Stadt, in der Miete zahlen heißt, über die Hälfte des Einkommens fürs Wohnen auszugeben und Menschen mit Harzt-IV-Bezug schikaniert werden. Wir wollen keine Stadt, in der Menschen zwangsgeräumt werden, weil widerliche Hausbesitzer sich höhere Renditen versprechen. Und wir wollen erst recht keine Stadt, die eine menschenverachtende europäische Flüchtlingspolitik umsetzt und Proteste dagegen spaltet, räumt und zunichte macht wie am O-Platz.

Wir fordern ein Recht auf Stadt für alle! Und wenn wir fordern sagen, richten wir uns nicht an irgendwelche Politiker_innen. Das können wir nur selber machen. Alle – Gemeinsam – Solidarisch!
Was hier im Wedding gilt, gilt überall: Vernetzt euch, redet mit euren Nachbar_innen, bildet Banden! Gegen Vertreibung, gegen den ganzen Kapitalismusscheiß, gegen Polizeigewalt und rassistische Ausgrenzung!

Denn: wir können auch anders! Miete verweigern – Kündigung ins Klo – Häuser besetzen sowieso!