wir sind…

Die Brunnenstrasse 6/7 stand vor der Wende leer und wurde 1990 besetzt. Heute sind wir ein kollektives Wohnprojekt mit Mietverträgen, in dem wir in mehreren grossen Wgs zusammenleben.  Wir sehen, wie sich die Stadt um uns herum wandelt und wir spüren auch selbst, dass wir und unsere Lebensumstände sich verändern. Die Mieten und die Lebensunterhaltskosten steigen, während Reallöhne und die Höhe der Sozialleistungen nicht damit Schritt halten. Ärmere und sozial ausgegrenzte Menschen werden aus ihren Stadtteilen verdrängt, während Berlin sich selbst als „arm aber sexy“ vermarktet. „Sozialer Wohnungsbau“ ist ein Fremdwort geworden, von Zwangsräumungen hören wir dagegen jede Woche. Gerade hier in Mitte, in der Brunnenstrasse, ziehen mittlerweile schon Galerien weg, weil ihnen die Mieten hier zu hoch sind; das zeigt deutlich dass die “ Neue Mitte“ eine Mitte nur für wenige ist.

Wir die Bewohner_innen des Hausprojekts Brunnenstrasse 6/7, verstehen uns und unser Projekt als Teil emanzipatorischer Kämpfe und als alltägliches Experiment solidarischen Zusammenlebens. Uns eint eine grundsätzliche Kritik an den bestehenden politischen und ökonomischen Verhältnissen. Wir sind ein bunter Haufen – darin sehen wir eine Stärke und etwas Erstrebenswertes. Wir wollen eine Welt und eine Gesellschaft, in der wir alle ohne Angst verschieden sein können.

Wir sind hier zuhause. Wir leben hier. Das hier ist auch unser Kiez. Wir wollen hier wohnen bleiben und das zu Mieten, die bezahlbar sind. Wir verstehen uns als Bestandteil dieses Stadtteils und der lokalen Kiezstrukturen. Wir beteiligen uns an sozialen Kämpfen für eine lebenswerte Stadt. Hier, zwischen Kneipen und Hausprojekten wie dem Bandito Rosso und der Linienstrasse 206, zwischen dem Schokoladen und der Baiz, ist unser Platz. Wir halten es für richtig und wichtig, diesen Ort gelebter Utopie zu erhalten. Auf dass unser Kiez niemals so trist und langweilig wird wie der Potsdamer Platz, der Kurfürstendamm, der Hackische Markt oder jeder andere Ort, an dem nicht Menschen, sondern das Kapital en erster Stelle stehen.